Hawaii 2026/1
IRONMAN Hawaii – Wettkampf, Urlaub oder Stress pur? (von Jenny)
Was soll ich sagen, für die einen (eigentlich meine komplette Familie) ein Sehnsuchtsort, Palmen, Strand und Meer, für mich: „Oh nee, nicht schon wieder.“ Manch einer kann nicht verstehen, dass ich so darüber denke. Von allen Seiten höre ich immer nur: „Ist doch toll.“ Oder: „Wenn ich mal nach Hawaii könnte …“ Ich sollte dankbar sein, …. Wenn ich ganz ehrlich bin, ist meine Teilnahme durch „Gruppenzwang“ entstanden. Mal wieder. Dieses: „Wenn du nicht mitkommst, dann fahren wir alle nicht.“ Und in einem unbedachten, schwachen Moment habe ich nachgegeben. Ich kann noch nicht einmal behaupten, ich hätte was getrunken oder unter Medikamenteneinfluss gestanden.
Ein kurzer Augenblick und schon war es passiert. Dabei hätte ich gerne mal ein neues Sofa gehabt oder möchte unbedingt mal nach Skandinavien.
Doch nun sitzen wir hier, eingezwängt wie die Ölsardinen, in einem Flieger zu unserem ersten Zwischenstopp in San Francisco. Noch 6 Stunden und ich könnte schon … also schreibe ich.
Alleine hierherzukommen bedeutet schon einen Aufwand, den ich mir gerne erspart hätte. ESTA, MPC und sonstige Einreiseformalitäten, Sitzplätze reservieren, noch mal schnell unsere Jüngste nachbuchen (weil: „Ich kann jetzt doch mit.“), Unterkunft ändern, denn die erste war für die neue Personenzahl nicht ausgelegt. Ihr dürft raten, wer die Ehre hatte, sich darum zu kümmern …
Mein Versuch, auch das Positive am IRONMAN Hawaii zu sehen, gestaltet sich folgendermaßen: Ich versuche es immer noch und bin zugegeben ein wenig „eingefahren“.
Zum Glück sind wir nicht direkt in Kona, wo bekanntlich der gemeine Triathlet tobt, sondern schön weit weg. Also, da seht ihr es, ich kann etwas Positives berichten.
Um mir den Urlaub etwas schmackhafter zu machen und damit ich nicht zwei Wochen auf mein Rad verzichten muss, hat Markus angeboten, mein Rad auch mitzunehmen. Da es mit dem Laufen nicht mehr so läuft und beim Schwimmen seit meinem Unfall auch nicht, bin ich sportlich leider etwas eingeschränkter als früher.
Doch noch bin ich mir nicht sicher, ob dieser zusätzliche Aufwand, mein Cervélo auch noch mitzuschleppen, wirklich Sinn macht. Die Strecken auf der Insel sind, gelinde gesagt, sehr überschaubar. Aber das Rad wurde eingepackt und nun ist das gute Stück wahrscheinlich im Flieger. Ganz genau weiß man es nicht, aber da sich unser Start verzögert hat, weil sie etwas Probleme hatten, die ganzen Räder ins Flugzeug zu bekommen, sollten sie dabei sein. Dies wurde übrigens genau so vom Piloten durchgesagt. Ist doch toll: Wenn uns die normalen Leute vorher schon nicht mochten, jetzt hassen sie uns. Aber das sind wir Radfahrer mittlerweile gewohnt.
Ihr seht, wir sind nicht die einzigen Blöden, die ihre Räder einmal um die halbe Welt fliegen lassen. Die anderen haben wenigstens noch einen triftigen „Wettkampf-Grund“ im Gegensatz zu mir.
Ich hoffe nur, dass das Rad von Markus nicht wegen Platzmangel in Frankfurt gelassen wurde. Unsere AirTags haben zwar kurz vor dem Start angezeigt, dass sie zumindest in unserer Nähe waren, aber Genaueres wissen wir erst nach der ersten Landung in San Francisco. Dort müssen wir dann einmal das komplette Gepäck entgegennehmen und wieder abgeben. Da ist leider nichts mit Durchchecken.
Dann wäre es auch gut, wenn die Einreise mit der neuen MPC-App funktionieren würde. Damit soll die Einreise angeblich schneller gehen. Wir sind gespannt. Den nächsten Flieger zu verpassen, wäre irgendwie blöd.
Zumindest hat der Pilot gesagt, wir fliegen heute etwas schneller – Rückenwind. Hilft also nicht nur uns Radfahrern, sondern auch den Flugzeugen.
Warum mein Mann so versessen ist, wenn es um Hawaii geht? Ich habe keine Ahnung. Ganz im Ernst, ich kann es mir nicht erklären. Ja, ist ganz schön dort, wenn man die Hitze mag, aber den Wettkampf findet er nach eigener Aussage nicht schön.
Dann frage ich mich natürlich umso mehr: Warum muss er da immer wieder hin? Ich glaube, es ist seine zwölfte Teilnahme. Einmal konnte er nicht, da wurde er kurz vorher wegen Darmverschluss operiert. Und selbst nach der OP damals (ich glaube, das war so 4 Wochen vorher) hatte er noch kurz die Hoffnung, doch noch zu fliegen.
Ja, an alle, die nun denken: Der hat nicht mehr alle Latten am Zaun usw. – hat er auch nicht.
Ich weiß nicht mehr genau, welches Jahr es war, in dem er sechs Wochen nach seiner Bandscheibenoperation dort gestartet und auch angekommen ist, aber das erklärt so in etwa, wie der Ganser drauf ist. Und es ist nicht so, als wäre der Weg dieses Mal nicht auch holprig verlaufen. Schlüsselbeinbruch, Herzgeschichte – und was macht er? Hitzetraining. Nein, ich bin kein Arzt, aber ich könnte mir vorstellen, dass das nicht so gesund ist, was er da manchmal so macht. Ist ja auch nicht so, als hätte er nach dem Training unendlich viel Zeit für die Regeneration. Ein bisschen arbeiten muss er auch noch.
Aber was soll es, er ist ja schon groß und muss selber wissen, was er da tut. Aber abgesehen davon, dass die ganze Organisation nicht mal so nebenbei läuft, ist auch das Setup für den Wettkampf – wie soll ich es ausdrücken – für einen Mann in den natürlich besten Jahren doch schon etwas übertrieben.
Wir reden nicht nur von dem schicken Abus-Helm, den Lord Helmchen sich besorgt hat, oder davon, dass an dem Rad so viel herumgeschraubt und an- und abgebaut wurde, gefühlt eine Million Mal. Es musste auch extra ein Einteiler bei Castelli bestellt werden, ganz in Weiß. Da kann man nur hoffen, dass ihm kein Missgeschick passiert. Ich glaube, ihr wisst, was ich meine.
Und wie gut kann ich mich an den Satz nach seiner ersten Teilnahme in Hawaii vor ?? Jahren erinnern: „Das mache ich nie wieder.“
Läuft.
Und jetzt sitzt Lord Helmchen hier mit Maske, Blaulichtbrille und Kapuze. Und da dachte ich schon, schlimmer kann es eigentlich nicht werden.
Schlusswort
In San Francisco hat dann irgendwie alles geklappt und jetzt sitzen wir im Flieger nach Kona – mit etwas Verspätung, weil: „We have to check in so many bikes.“
Aloha







