Hawaii 2026/5
Hawaii 2026 – Voll verkackt! (Von Jenny)

Aloha – heute hatte der Ganser Ruhetag. Also hat er Stabi gemacht und war spazieren, so hat man mir berichtet. Was er sonst noch so gemacht hat, kann ich gar nicht so genau sagen, denn ich hatte eine Mission.
Ich dachte: Fährst du mal mit dem Rad auf den Mauna Kea. Super Idee, solange man sich das in seiner Vorstellung so ausmalt. Also musste ich früh los. Obwohl es nur 86 Kilometer bis oben sind, sind eher die Höhenmeter das Problem. Der gute Mauna Kea hat immerhin 4.200 Höhenmeter. Also 86 Kilometer nur hoch.
Gesagt, getan. Damit das „Sea to Summit“ auch zählt, wurde um 5:50 Uhr Ortszeit das Vorderrad (mit Unterstützung von Anna und Leni) ins Meer getaucht und schon ging es los – noch mit dem Gedanken: Du schaffst das. Ganz nach unserer guten „Angie“.
Leider stellte ich schnell fest: Das wird nicht ganz einfach. Kaum war ich losgefahren, merkte ich, dass der Wind es ganz schön auf mich abgesehen hatte. Volle Lotte Gegenwind.
Kurz überlegte ich, das ganze Vorhaben zu verschieben. Das Problem dabei war: Wir sind generell aus einem anderen Grund hier. Der da heißt: IRONMAN. Das schränkt meine Möglichkeiten, Inga als Fahrerin, Anna als Fotografin und das Auto einen ganzen Tag in Beschlag zu nehmen, doch ein wenig ein.
Also versuchte ich, es trotz der Tatsache, dass es direkt bergauf und mit Gegenwind ging, locker anzugehen. Es war schon super anstrengend, aber es lief ganz okay.
Bis zur Maunakea Visitor Information Station lief es gut. Die Station liegt auf 2.800 Metern. Also ungefähr auf der Höhe des Col de la Bonette in Frankreich, den ich mal gefahren bin. Das ist der höchste Punkt, den ich bisher mit dem Rad erklommen hatte.
Aber ab der Station lief dann alles anders als gedacht.
Der Leihwagen hatte, obwohl bei der Vermietung bestellt und bezahlt, keinen Allradantrieb und durfte nicht hoch. Da musste ich erst einmal etwas länger überlegen. Den Ärger herunterschlucken und neu planen.
Wenn das Auto nicht mitkommt, musste ich überlegen, ob ich es alleine mache oder das Ganze aufgebe. Aber jetzt war ich schon bis hier gekommen.
Wir haben auch Markus telefonisch zu Rate gezogen, aber mein Gehirn war gerade so matsche, dass ich nicht mehr weiß, was er gesagt hatte. Aber ich wollte es zumindest probieren.
Das nächste Problem, das ich aber auch nicht anders hätte lösen können, war der Gravel-Sektor.
Ich wusste vorher: Ein Rennrad ist da nicht die erste Wahl. Vor allem, weil ich auf Schotter ein echtes Talent bin. Doch ich hatte keine Alternative.
Also ab die Post. Oder ab die Schnecke trifft es besser.
Vom Highway bis zur Station gab es schon keine Abschnitte unter 10 Prozent, eher 15–20 Prozent, wenn ich meinem Garmin trauen kann. Und auf den letzten Kilometern sollte es nicht besser werden.
Zum Glück hatte ich mir noch meine Turnschuhe – die übrigens jetzt in der Waschmaschine sind – in einem Turnbeutel auf den Rücken geschnallt. Die brauchte ich dann auch schon bald.
Der Schotter war wirklich sch… Damit sind mein Cervélo und ich überhaupt nicht klargekommen. Vor allem, wenn es über 15 Prozent Steigung ging.
Irgendwann – ich brauche jetzt, glaube ich, neue Schuhplatten – habe ich die Radschuhe gegen die Laufschuhe getauscht.
Wie hat Leni heute Abend so treffend bemerkt:
„Wer sein Fahrrad liebt, …“
Die ganze Zeit hatte ich mir schon Gedanken darüber gemacht, wie ich hier mit dem Rennrad wieder herunterkommen sollte. Aber mir wurde schon von wirklich sehr netten Leuten angeboten, mich wieder mit runterzunehmen.
Da war außer mir noch einer auf dem Weg nach oben. Mit Gravel, sinnigerweise.
Das Angebot hätte ich gerne angenommen.
Doch kurz vor dem Gipfel war ich stehend KO.
Und wenn ich vor zwei Tagen noch dachte, es geht nichts mehr, hätte ich mein „Vor-zwei-Tagen-Ich“ heute gerne mal ausgelacht.
Als die Steigung mal wieder lustige 18 Prozent erreichte, konnte ich noch nicht einmal mehr schieben. Mir war schwindlig, ich habe gepustet wie eine alte Oma beim Marathon.
Bitte an alle Omas: nicht falsch verstehen. Mir fiel gerade kein passenderer Vergleich ein.
Jeder Schritt war eine Qual. Mir war schlecht und das ist alles zusammen wohl kein besonders gutes Zeichen.
Zudem wollte ich eigentlich auch nicht auf den Berg wandern. Den Schotterteil hatte ich hinter mir, doch es ging einfach nichts mehr. Ich konnte noch nicht einmal mehr fahren, wenn es nur 10 oder 11 Prozent Steigung hatte.
Dann bekam ich beim Aufsteigen zweimal Krämpfe in der linken Wade, sodass ich gar nicht mehr auf das Rad gekommen bin.
Also drehte ich ungefähr zwei Kilometer – oder vielleicht auch nur eineinhalb – vor dem Gipfel um. Es wären noch knapp 300 Höhenmeter gewesen. So in etwa.
Ich war nicht mehr so ganz Herrin meiner Sinne.
Man sollte denken: Die 300 Meter! Doch es ging einfach nicht mehr. Und bei dem Tempo hätte das locker noch eine Stunde gedauert.
Wenn man nun denkt: Schön runterrollen. Nope.
Markus muss morgen mal meine Bremsbeläge kontrollieren.
Runter war auch kacke. Vor allem, als der Schotter anfing. Ich hätte mich zweimal fast überschlagen, weil mein Rad auf dem Untergrund kaum zu kontrollieren war.
Von mir zumindest nicht. Ein „Van Aert“ hätte damit bestimmt keine Probleme. Der wäre mit Sicherheit auch oben angekommen.
Eine Familie hat wohl den Ernst der Lage erkannt und mich gefragt, ob sie helfen können.
Ich hätte am liebsten geheult.
Also Laufräder ausgebaut, das Rad in den großen Kofferraum gepackt und los.
Und wenn ich mich bei denen nicht hunderttausend Mal bedankt habe, dann weiß ich auch nicht.
An der Station haben Inga und Anna nun einige Stunden ihrer kostbaren Zeit verbracht. Auch an die beiden ein ganz großes Dankeschön.
Ich habe so ein schlechtes Gewissen, weil ich es nicht gepackt habe und die beiden dafür den ganzen Tag geopfert haben.
Dann wollen wir mal festhalten:
Ich heiße zwar Ganser, aber damit wird aus mir nicht automatisch ein Gansernator.
Dann hoffe ich, dass er das am Samstag besser hinbekommt.
Ich konnte unter der Dusche kaum stehen, Leni musste mir die Haare föhnen und Markus das Essen machen.
Also bestellen.
Aber kein Problem: Das Programm für morgen steht.
Für mich kein Radfahren.
Der Ganser hat aber verschiedene Pläne. Dem war es heute ja auch etwas zu ruhig.
Mauna Kea – oder: Voll verkackt!!
Die Idee klang eigentlich ziemlich gut: Sea to Summit. 86 Kilometer. 4.200 Höhenmeter. Was soll schon schiefgehen?
Tja … einiges.
Um 5:50 Uhr wurde das Vorderrad ins Meer getaucht und los ging’s. Direkt bergauf. Direkt Gegenwind. Aber bis zur Visitor Station auf 2.800 Metern lief es noch ganz okay.
Dann: kein Allrad für den Leihwagen, Schotter, 15–20 % Steigung und irgendwann waren mein Cervélo und ich einfach überfordert.
Kurz vor dem Gipfel war dann endgültig Schluss. Schwindlig, schlecht, Krämpfe und keine Kraft mehr. Noch knapp 300 Höhenmeter – aber die waren heute einfach nicht drin.
Also umgedreht.
Und runter? Sagen wir mal so: Mein Cervélo und ich haben den Schotter auch bergab nicht lieben gelernt.
Danke an Inga und Anna, die dadurch einen ziemlich langen Tag hatten, und ganz besonders an die Familie, die mich und mein Fahrrad vom Berg gerettet hat.
Fazit: Ich heiße zwar Ganser, aber ein Gansernator bin ich deshalb noch lange nicht.
Und morgen? Kein Radfahren. Ganz sicher.








