Hawaii 2026/8 Wettkampftag
IRONMAN
Wettkampftag (von Jenny)

Markus sagt, ich soll mal was tun und von gestern berichten. Ich bin ja nur Beobachterin und kann nur meine Sicht wiedergeben. Wenn ihr Insiderinfos vom Meister selbst haben möchtet, kann ich damit nur bedingt dienen. Also ran an die Arbeit.
Was soll ich sagen? Bin ich froh, dass es vorbei ist? Ganz ehrlich: Ja. Ich weiß, der Tag war für Markus um Längen anstrengender als für uns, doch auch wir waren alle komplett durch. Dabei war es praktisch den ganzen Tag bewölkt und morgens hatte es sogar geregnet. Man sollte meinen, das macht es angenehmer, aber als wir morgens aus dem Haus gegangen sind, war es wärmer und schwüler als an den anderen Tagen. Wenn ich sonst kurz vor sechs losgefahren bin, war es immer angenehm kühl. Wenn man hier von kühl reden kann.
Es ist, wie es ist, und ändern kann man es auch nicht.
Wie immer ist in Kona die Hölle los. Genau mein Ding. Menschenmassen! Der Tag beginnt mit Warten. Warten, bis Markus vom Einchecken kommt, warten auf den Schwimmstart, warten, bis der Ganser aus dem Wasser kommt, und dann weiter warten. Während Markus ein Ziel verfolgt, ist es bei uns eher ein etwas zielloses Herumlaufen. Außer man betrachtet das Fotosmachen als Ziel. Dann hatten wir doch eins, oder zumindest eine Aufgabe.
Markus war wie erwartet bei seiner „Paradedisziplin“, dem Schwimmen, im guten Mittelfeld. Soweit ich mitbekommen habe, gab es keine Schlägereien und er ist in seinem ganz persönlichen Stil durchgekommen (Schwimmzeit 1:12)
Radfahren ist halt für den Ganser so eine Sache zum Abhaken. Damit will ich nicht sagen, dass es einfach ist, doch da haben wir als Supporter schon so unsere Erwartungen. Ich war froh, als er heile aus Kona raus in Richtung Hawi gefahren ist. Im Ort war das reinste Chaos. Es waren so unglaublich viele auf der Strecke und ich will niemandem zu nahe treten, aber bei einigen hatte ich das Gefühl, dass sie in ihrem Leben noch nicht einmal auf dem Rad gesessen hatten. Das war teilweise ein Herumeiern – wobei ich nicht einmal die Geschwindigkeit meine. Die sind wirklich in Schlangenlinien gefahren und ein paarmal hatte ich wirklich Angst, dass es jeden Moment knallt. Die eine oder andere Sturzverletzung ließ auch nicht lange auf sich warten. Woran liegt es? Zu viele Teilnehmer? Schlechte Aufteilung der Startblöcke?
Mir ist klar, dass sie einige ältere Leute nicht zu spät starten lassen wollen und dass auch die Helfer mal Feierabend haben möchten. Aber die sind halt maximal im Weg. Auch das können wir nicht ändern. Glücklicherweise hat dann aber alles gut geklappt. Mit 5:08 Stunden war mein Mann dann auch ganz zufrieden.
Laufen … Mal überlegen, wie man es am besten beschreibt. Wie fast immer läuft es zu Beginn recht gut. Bis ca. Kilometer 10 gab es sogar noch mal ein Lächeln vom Ganser. Doch wenn er dann zum Energy Lab verschwindet, hat man nur noch den Tracker, der einem mitteilt, ob er gut unterwegs ist oder nicht. Wenn man dann irgendwann sieht, dass die Zeiten langsamer werden, kann man nur noch hoffen und etwas essen gehen, sich gemütlich in ein Restaurant am Meer setzen und gefühlt ein halbes Vermögen für ’ne Pizza ausgeben. Aber was macht man nicht alles! Dass die IRONMAN-WM auf Hawaii nichts für Sparfüchse ist (damit meine ich ausdrücklich auch mich), ist eine Tatsache, die sich nicht wegdiskutieren lässt. Auch egal.
Doch irgendwann kommt er angelaufen. Das ist schon mal gut, er geht nicht. Man erkennt schon von Weitem den unverwechselbaren Laufstil, und den komplett weißen Tri-Suit erkennt man auch ganz gut. Beim Vorbeilaufen bemerkt mein Hausfrauenauge auch direkt: Der Einteiler sieht noch ganz passabel aus. Hat er sich zumindest nicht eingesaut. Guter Mann und gut fürs Foto. Er hat sogar die Kappe für den Zieleinlauf abgenommen. Also, wenn er an so etwas noch denken kann, hätte er auch zwei Minuten schneller laufen können (Laufzeit 4:07) Ich hatte nämlich bei unserem Tippspiel auf 10:38 getippt. Jetzt hatte er 10:40:19, und jemand war noch ein paar Sekunden näher dran. Aber vielleicht hätte ich eh nicht mittippen dürfen. Insiderwissen. Oder man hätte uns Manipulation vorwerfen können.
Ich gönne es dem Sieger.
Dann hieß es noch mal warten, bis der IRONMAN aus der Finisher-Zone herauskommt.
Ich möchte bemerken: So emotional habe ich meinen Mann selten erlebt. Die meisten können sich vorstellen, wie aufreibend die ganze Vorbereitung auf diesen Wettkampf war, mit allen Höhen und einigen Tiefen. Das lässt auch einen IRONMAN nicht ganz kalt. Es gab einmal Rudeldrücken.
Dann wurde gewartet, bis Leni Markus’ Rad und die Beutel aus der Wechselzone geholt hatte. Sie hatte sich, glaube ich, nur so schnell angeboten, die Sachen zu holen, weil sie gerne mal ihr Näschen in die „heiligen Hallen“ stecken wollte. So lange, wie das gedauert hat, dachten wir schon, die kommt gar nicht wieder.
Doch dann ist auch der längste Tag einmal geschafft. Alle inklusive dem Ganser platt. Heute hatte er sich dann mal einen Ruhetag verdient.
Aloha







